Opti-Oldie-Regatta 2026
von Henning

Am Sonnabend wagte ich mich mal wieder in ein Segelboot. Aber nicht in eine Bootsklasse für Erwachsene, sondern in die Kinder- und Jugendbootsklasse Optimist. In dieser Bootsklasse erlernen im Prinzip alle Kinder das Segeln. Aber der Reihe nach…

Der Wassersport-Verein-Güstrow 1928 e. V. feierte am Sonnabend seinen 98. Geburtstag. Im Rahmen der alljährlichen Feier wird von der Vereinsjugend die Opti-Oldie-Regatta veranstaltet. Wie der Name schon sagt, dürfen nur die “Alten” segeln. Das Mindestalter beträgt 30 Jahre. Da bin ich ja leicht drüber, also darf ich mitmachen…

Bevor es aber aufs Wasser ging, wurde der Geburtstag offiziell eröffnet. Der Vorstand zeichnete einige langjährige Mitglieder aus, die eine runde Zahl an Jahren Mitglied im Verein sind, 40, 30, 20 und 10 Jahre.

Eröffnung des Vereinsgeburtstages und der Opti-Oldie-Regatta

Es wurde das bisherige Jahr ausgewertet mit hervorragenden Platzierungen bei Meisterschaften und es wurde ein Pirat getauft.

Dann war es so weit. Die Vorbereitungen für die Regatta starteten. Wie es bei Booten so ist, sind nicht alle Vereinsoptimisten “Rennziegen”. Damit alles mit rechten Dingen zugeht, wird gelost, wer mit welchem Boot fahren darf. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, als es hieß “Bloß nicht Free Willy ziehen!”. Mittlerweile ist diese ehemals schwimmende Kiste nur noch eine Sandkiste. Also war der dickste Brocken aus der Verlosung raus.

Ich habe ein ganz gutes Schiff ergattert, so hieß es. Jedenfalls machte es einen guten Eindruck. Alles nochmal prüfen, die Boote wurden schon im Vorfeld von der Jugend aufgebaut, etwas mehr durchsetzen und ab zur Steuermannsbesprechung. Den Kurs verinnerlichen, schwer war er nicht. Es sollte sich alles auf dem 1. See abspielen. Dann noch ein Uhrenvergleich.

Und dann ging’s los! Das Boot ins Wasser setzen, Schwert und Ruder einsetzen und dann den Körper ins Boot hieven. Und was war das? Wie wenig Platz ist denn in diesem Boot? War der Opti schon immer so klein???

Aber ich bin ja zum Glück nicht allzu groß. Andere haben da noch mehr Probleme…

Bequeme Sitzposition

Auf der kurzen Fahrt zum Startgebiet habe ich mich erstmal mit dem Boot vertraut gemacht. Bei den Wenden schön abtauchen und trotzdem mit der Schwimmweste hängen bleiben. Und gut, dass ich eine Mütze aufhatte. Sie ist zwar kein Helm, aber der Großbaum tut trotzdem nicht doll weh…

Die Startlinie lag direkt beim Seglerheim-Steg des WVG. Somit hatte das Publikum eine gute Sicht auf das Geschehen. Die Uhr beim Ankündigungssignal starten und die Startlinie auf und ab fahren.

Vorstartphase

Ich entschied mich dazu, an der Boje über die Linie fahren zu wollen. Bei der Windrichtung NW sollte da wegen der Abdeckung der Bootshäuser am meisten Wind sein. So meine Gedanken. Kurz bevor es soweit war, fuhr ich also mit Steuerbordschoten die Linie entlang. Mir kamen mit Backbord Tilo und Piet entgegen. Tilo hatte gut Fahrt drauf und ich fuhr an ihm in Lee vorbei. Aber Piet trödelte etwas. Oder hatte er keinen Wind? Oder wollte er mich ausbremsen? Beim Startsignal jedenfalls wurde es doch sehr eng zwischen Piet, der Boje und mir. Ich kam aber gerade so noch über die Linie. Das ist ganz gut im Video zu sehen.

Start

Die Boote in der Mitte kamen irgendwie besser weg. Der Plan mit dem besseren Wind an der Boje ist also grandios gescheitert! Ich segelte mit Piet in Luv los. Zuerst waren wir gleich schnell, aber dann hat er mich förmlich stehen lassen. Also Zeit für eine Wende. Diejenigen, die in der Mitte gestartet waren, hatten nicht nur mehr Wind, sie hatten auch die besseren Dreher.

Startkreuz

Die Ersten gingen dann auch schon um Tonne 1. Wie kann man eigentlich in der kurzen Zeit so einen Abstand rausfahren? Achja, der misslungene Start… Die ersten Vier kamen gut rum und fuhren achterlich in atemberaubendem Tempo davon! Martin versuchte auch, die Tonne zu runden, berührte sie aber und musste kringeln. Bei dem Wind natürlich gar nicht so einfach. Ich schaute mir das Schauspiel an und fuhr während seiner Kringelei als Fünfter um die Tonne. Obwohl Piet mich nach dem Start hat stehenlassen, war ich vor ihm an der Tonne.

Viel los an Tonne 1

Mein Rückstand war schon erheblich. Aber der Wind war nun einigermaßen konstant und ich machte gute Geschwindigkeit. Ich kam sogar an die vor mir farhrenden Stück für Stück ran. Kurz vor Tonne 2 war ich am Führungsfeld dran und fuhr locker in Luv an Griffel vorbei. Anita als Erste hatte einen ganz schönen Vorsprung.

Kurz vor Tonne 2 habe ich die Lücke geschlossen

Auf dem folgenden Raumschenkel, wenn man ihn denn trotz des drehenden Windes so nennen möchte, fuhr ich an Ludger und Andreas ran. Allerdings kam Tilo von hinten immer dichter.

Nach dem Runden der Tonne 3 ging’s auf die Zielkreuz. Ludger entschied sich, mit Steuerbord weiterzufahren. Tilo und Andreas legten gleich nach der Tonne um. Ich fuhr noch ein Stück hinter Ludger her, aber das ist ja bekanntlich nicht die beste Entscheidung. Also entschied ich mich auch für eine Wende.

Um es kurz zu machen, Ludger hat die richtige Entscheidung getroffen. Er fuhr so weit wie möglich nach rechts und wendete dann. Dort hatte er dann so guten Wind, dass er sogar noch Anita kurz vor der Linie überholte und die Opti-Oldie-Regatta gewann.

1. Platz: Ludger
2. Platz: Anita

Tilo überholte mich auf der linken Seite, aber Andreas vergrüßte sich total. Er wurde noch auf den 8. Platz durchgereicht. Bei mir wurde es der undankbare 4. Platz.

Ich nach dem Zieldurchgang

Wie es beim WVG Brauch ist, bekam der Sieger, also Ludger, bei der Siegerehrung den goldenen Helm aufgesetzt. Das Podium vervollständigten Anita auf Platz 2 und Tilo als Dritter.

Und dann kam, was kommen musste. Der Sieger wurde ins Wasser geschmissen! Dabei blieb es aber nicht. Auch die Zweite und der Dritte landeten im Inselsee. Mein undankbarer 4. Platz war eigentlich gar nicht so schlecht…

Im Anschluss gab es dann anlässlich des Vereinsgeburtstages noch reichlich Kuchen und Kaffee und am Abend wurde noch kräftig gefeiert. Nun ist der Wassersport-Verein-Güstrow 1928 e. V. 98 Jahre alt und die 100-Jahr-Feier wirft schon ihre Schatten voraus.