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Heute mal ein Bericht aus einer ganz anderen Perspektive.

Sorry für den späten Bericht, aber ich hätte ihn ja auch nicht schreiben brauchen. Sorry auch für die Länge desselben, aber neun Wettfahrten und das ganze Drumherum lassen sich nicht in drei Sätzen beschreiben. Wer es lesen mag, soll es tun. Wer sich auf den Schlips getreten fühlt, sollte es sich zu Herzen nehmen, mich rügen, verteufeln, wie auch immer. Ah, letzteres geht ein Glück nicht, wir sind ja bekanntlich im Lutherjahr. Ein Glück, dass ich nicht alles mitbekommen habe, was so am Rande der Euro geschah, sonst wäre das wohl ein Buch geworden, was dann wohl keiner mehr gelesen hätte. Oder vielleicht wäre es ein Bestseller geworden, dann hätte ich die nächste Euro sponsern können, wenn mir der neue Bundesfinanzminister nicht alles wegversteuert hätte…

Also fange ich an: Auf Grund der etwas undurchsichtigen Situation in der Türkei, wurde die EURO im Einverständnis mit der türkischen Piratenklassenvereinigung 2017 nicht in der Türkei, sondern stattdessen in Deutschland ausgetragen. Der veranstaltende Röbeler Segler-Verein "Müritz" e. V. (RSVM) hatte sich kurzfristig, ja fast spontan, bereit erklärt, die EURO durchzuführen. Das hieß weniger Vorbereitungszeit, eine verkürzte Organisation, knappe Planung usw. Ein Veranstalter weiß, was das heißt. Umgekehrt ist es natürlich auch eine Herausforderung und erfordert höchste Disziplin von allen Ehrenamtlern, die sich dieser Aufgabe gestellt hatten. So bot ich mich dann frühzeitig, als ich Heino Leja irgendwo mal traf, an, während der EURO gerne helfen zu wollen. Ich hatte ja Zeit und wollte auch gerne das Fluidum einer EURO noch mal mitnehmen, wie auch noch mal alte und junge Kämpen wiedertreffen. Der Ursprung dieser Aktivität, lag zwei Jahre zurück. Denn ich hatte eigentlich als Zielstellung für mich selbst ausgegeben, in Österreich am Traunsee vor zwei Jahren meine mit Vorbehalt letzte aktive EURO zu fahren. Zumal es die drei EUROs davor recht gut gelaufen war. Aber Pustekuchen, ich/wir hatten uns vor zwei Jahren nicht mal qualifiziert, dank des neuen Qualimodus und der Selbstbeschränkung Deutschlands auf 28 Starter. So wurde dann der Abschied aus der Piratenklasse beschleunigt, vielleicht auch gut so, denn ob ich die Woche hier überstanden hätte, ist fraglich … aber dazu später mehr.

Wir waren über Jörn-Christoph, der die Internationale Jury zusammenstellte und auch über die Ausschreibung und die Segelanweisungen schaute, über mehrere Monate in Kontakt mit den Röbelern. Jörn-Christoph war aber nicht Chairman. Das übernahm Dr. Rainer Kornfeld aus Österreich. Weitere Mitglieder der Internationalen Jury waren Hans Vengberg (Dänemark), Pablo Erat (Schweiz), Jos Spijkerman (Niederland) und Jörn-Christoph als Vice-Chair.

Irgendwann im August bekam ich dann meinen „Einsatzplan“. So waren wir vom WVG mit sieben Aktiven (Jens Bauditz/Susanne Thiel Beil 4299; Magnus Hillenberg/Ulf Lorenz Beil 4341; Andreas Ebel/Martin Schlichting Beil 4269 und Alfred Seeger an der Vorschot bei Daniel Reinsberg Beil 4415, sowie einem Schiedsrichter und einem WFL-Helfer gut vertreten. Leider mussten Ludger und auch Peter und Peter aus beruflichen Anforderungen heraus verzichten. Dafür könnt ihr dann zur nächsten EURO entweder in die Türkei 2300 km oder nach Ungarn (nur 1200 km). Laut Nationenwechsel der EURO ist sie dann das nächste Mal im Jahr 2031 in Deutschland … oder vielleicht schon zwei Jahre früher. Dann sind wir alle, so Gott will, 12 bzw. 14 Jahre älter… Also mit anderen Worten ihr habt bestimmt was verpasst. Aber wat nich jeht, dat jeht halt nich.

Die EURO fand also vom 11. bis 15.09.2017 auf der Müritz statt. Am 09. und 10.09.2017 war aber schon Anreise, Anmeldung, Vermessung usw. Jörn –Christoph und ich konnten erst am Sonntag (10.09.) in Röbel anreisen, da wir beide am Tag davor noch in Hamburg die Rolling Stones im Stadtpark anschauen wollten. Hut ab vor der Kondition dieser Jagger/Richards und Co., so wie die über die sprinteten hätten die auch eine Starkwindwettfahrt auf der Müritz durchhalten können…Ja, es war ein Erlebnis!

In Röbel angekommen baute ich mein Quek-Teamworkschlafquartier auf, begrüßte diesen und jenen, hier ein Schnack, dort ein Schnack. Erinnerungen wurden wach. Dann lief mir Helmut Loos über den Weg, mit dem vieles gemeinsam damals noch in Ost und West auf den Weg gebracht haben. Helmut hatte schon zwei Tage stramm bei der Vermessung zu tun, aber auch dort haben ja bekanntlich jüngere das Zepter übernommen. So soll es ja auch sein und hervorragend ist es, wenn Jung und Alt sich ergänzen.

Bei der Vermessung wurde festgestellt, dass das einzige teilnehmende dänische Boots tatsächlich 245 kg schwer war. 50 kg mehr als das erforderliche Mindestgewicht mit Schwert. Donnerwetter, dafür waren die Dänen bisher nicht bekannt. Ich habe mich später mit Uffe dem Steuermann unterhalten und er hat mir die Story des Bootes erzählt. Lag irgendwo rum, total heruntergekommen und kaputt. Dann hat er das Boot für 100 EUR gekauft, es saniert incl. neuen Decks mit seinen einfachen Mitteln. Zielstellung Euro in Deutschland mitsegeln zu wollen sozusagen als Abenteuer. Er selbst ist Dickschiffsegler und seine Tochter Ditte segelt eine Skiffjolle. Es wurde in Tat ein Abenteuer für sie und doch am Ende mit Gesamtplatz 37 noch eine respektable Platzierung.

Eine weitere Randepisode, die unbedingt erwähnt werden muss, denn auch hier war unser Verein, wie natürlich andere auch, mit tatkräftiger Hilfe eingebunden. Da war folgendes passiert: Eine türkische Besatzung hatte es doch tatsächlich geschafft ohne Nummernschild durch halb Europa bis nach Königs-Wusterhausen zu fahren. Dann hat unsere aufmerksame Autobahnpolizei sie angehalten und das Weiterfahren nicht gestattet. Wat nu? Als diese Kunde das Segelcamp in Röbel erreichte, griff Jens zum Handy und rief Molle an, um einen Fahrzeugtrailer auszuleihen. Was Molle dann auch organisierte. Jens mit Beifahrer Willem van der Wal (dem sympathischen und urgewaltigen halbholländischen Piratensegler) von Röbel nach Güstrow, Fahrzeugtrailer angehängt und ab nach Königs-Wusterhausen, türkischen Trailer und Boot aufgeladen und ab nach Röbel, abladen, Trailer nach Güstrow gebracht, wieder nach Röbel. Dank an das Autohaus Mitte, die Ford-Beherrscher in Güstrow und Umgebung, überbracht von der Piratengemeinde und natürlich insbesondere von den Türken. Ja, lieber Jens und Willem, so kann man völlig überraschend sinnvoll einen langen Tag gestalten und ausfüllen. Die Mische am Abend hat bestimmt super geschmeckt.

Tolle Leistung! Ein dreifaches Hackebeil für die beiden!!! Da gebührt allen Beteiligten ein großer Dank, der auch vor versammelter Piratengemeinde Europas gewürdigt wurde. Wie die türkische Crew allerdings nach Hause gekommen ist, entzieht sich meiner Kenntnis.

Also nach einigen Schwätzchen habe ich dann mit Paul das Regattahaus aufgesucht und geabendbrotet. Wir führten unser Gespräch recht vertraulich über all das Negative und Positive, was so in den letzten Wochen passiert war – was das Negative angeht, ihm mehr als mir. Und das war allerhand. Auch Zukunftsmusik war dabei. Darunter auch massive Enttäuschung über die Entwicklung der Piratenklasse, auch wenn einige das wohl nicht so sehen wie wir. Schade! Wir waren uns aber einig, alles zu tun, wenn auch nicht aktiv, so doch im Hintergrund, damit diese Olle Dolle Knickspantjolle uns allen erhalten bleibt. Es wird zu viel ignoriert, weggelächelt, zerredet, ja Initiativen unterdrückt. Das war ein Riesenfehler!!! Die Jungs und Mädels, die da Initiativen ergriffen haben, meinen das doch nicht böse, sie sind vielleicht etwas weitsichtiger. Naja, sicherlich nur ein bisschen, vielleicht sind es ja auch nur Schwarzmaler … auch einen Sascha muss man integrieren. Fehler macht bekanntlich jeder. Na ja, was man so alles beschnackt am Vorabend einer EURO.

Gegen Zehne haben wir uns dann in die Heia getrollt. Es war kühl für die Jahreszeit … das aus meinem Munde, der bei länger anhaltenden Temperaturen über 23°C in den Norden auswandern will, schon beachtlich. Am nächsten Morgen dann Frühstück fassen. Wieder hier ein Schnack, dort ein Schnack, kurze Einweisung. Ich war mit Fabian lt. Einsatzplan auf dem Pinnend eingeteilt. Unsere Aufgaben war es, die Pin-End-Marke zu legen, den Startschiffheckanker auszubringen und uns selbst in der Peilung zu verankern und entsprechende Hinweise an den Wettfahrtleiter zu geben. Bei den in der gesamten Woche vorherrschenden Winden war dieses Aufgabenpaket eines, das müde machte. Bei Bahnänderungen hätten wir uns dann noch um das Tor kümmern müssen. Das war natürlich nicht so prickelnd, weil wir damit an das Startgebiet gebunden waren und nicht dem Feld hinterherfahren konnten. So hatten wir während des Regattageschehens immer nur den Leeblick, ja Leeblick, nicht Leerblick ihr Nasen. Folglich haben wir uns dann doch einige Male über die Endplatzierungen gewundert. Ja Leeblick, zur Erklärung: Das ist kein verklärter oder Schlafblick, das ist der Blick aus Sicht derer, die ganz in Lee außen am Kurs liegen, wenn der denn nach Luv ausgelegt ist. Sonn Quatsch, ist er natürlich immer! Das war der Test für den aufmerksamen Leser.

Mein Partner Fabian war ein junger (naja um die 30 Jahre alter) OK-Segler. Den es beruflich nach Lüneburg verschlagen hat, aber der für Röbel aktiv ist, sowohl seglerisch als auch im Ehrenamt. Die Zusammenarbeit hat Spaß gemacht und auch meinen Blick wieder geweitet, ja, junge Frauen und Männer braucht das Land mit Ideen und Engagement. Oh, das reimt sich sogar ein bisschen.

Montag, 11.09.2017, 11:00 Uhr – Veranstaltungseröffnung
durch Heino den Veranstaltungsleiter – macht er topp! Danach folgte die Steuermannbesprechung mit dem Wettfahrtleiter Dirk Köhn. Auch die Internationale Jury wird vorgestellt bzw. stellt sich selbst vor. Practice Race Ankündigung 13:55 Uhr.

Die gesamte Wettfartleitungscrew als auch die Jury fuhren raus, um Abläufe und das Zusammenspiel zu testen und letztlich auch eine Wettfahrt abzuwickeln. Schöner Wind aus Süd, Start Höhe Eingang Sietower Bucht in Richtung Beutel bzw. westliches Müritzufer. So wehte der Wind die gesamte Woche mit einigen Drehern, aber doch sehr konstant. Auch vom Wind her muss man sagen, dass diese Regatta wohl als Starkwindregatta eingehen wird. Es blies die ganze Woche mit mäßigen bis starken und stürmischen Winden. Heute mäßig bis stark.

Auch das Practice Race sah mehr Starter als vermutet, fast 45 von gemeldeten 55 Booten waren auf dem Wasser. Etliche kannten die Müritz nicht, vor allem nicht unter diesen Bedingungen. Wie erwartet fanden sich vorne sowohl die Jugend aus Schleswig-Holstein als auch jene aus Hamburg ein. Ich weiß gar nicht, ob der Dauerjugendliche Butze auch draußen war, aber sicherlich, denn ihm macht Segeln bei Wind ja bekanntlich Spaß und bei viel Wind viel Spaß.
Das Race lief ohne besondere Vorkommnisse ab. Es hat aber offensichtlich den Respekt vor der Müritz erhöht und die Sinne für den Starkwind als auch das Timing geschärft.

Montagabend, 11.09.2017, 18:00 Uhr – feierliche Eröffnung
Die offizielle Eröffnung der Europameisterschaft der Piraten fand im „Haus des Gastes“ in Röbel im „Amphitheater“ statt, ein tolles und würdiges Ambiente, ideal für solche Anlässe. Hier begann die Stunde der Reinsbergfamilie zu schlagen, die bei und zum Gelingen der EURO viel beigetragen haben. Was hatte der Daniel da bauen lassen? Ein riesiges Piratenbeil mit kleinen Plattförmchen, die dem Stellungswinkel des Beiles angepasst waren. Da das Beil etwas schräge aufgebahrt (sorry wegen des Verbes) wurde, konnten auf die jetzt grade stehenden Plattförmchen Sektflaschen (leer natürlich) mit Kerzen aufgestellt werden. Das war so, wie vor gefühlt hundert Jahren am Scharmützelsee, aber auch bei einer DDR‑Meisterschaft zu den Fechtners-Festspielen in Röbel. Erinnerungen an die berühmt berüchtigten Festspiele und an Altmeister und Superostorganisationstalent Klippe kamen auf … irgendwie waren die Zeiten auch schön und toll … wer das nicht kennt, lasse sich bitte aufklären. Das wird ein abendfüllendes Programm.

Ja, tolle Eröffnung. Alles was Röbel an Offiziellen, Sprachkundigen und tollen Leuten aufzubieten hatte, war vertreten. Wir mussten Sekt ohne Unterlass trinken, damit das Beilchen sich fülle. War auch nicht so schwierig, da der Veranstalter es bezahlte. Danach Livemusik zum Zuhören und daneben Kanadische Würstchenbude. Wusste gar nicht, dass die Kanadier uns Deutschen in Sachen Würstchen was voraus haben. Dass sie besser Holzfällen können und mörderische Wegstrecken zurücklegen müssen, ist bekannt, aber Würstchen – nein. Das Servicepersonal entpuppte sich dann aber doch als zugereiste Berliner oder Sachsen oder Thüringer … so genau weiß ich das heute nicht mehr.

Es war wie schon gesagt oder (für die Wortklauber) wie schon geschrieben, eine tolle und würdige Eröffnung. Leider hatte es dem Imperator Kalle (Karl-Hermann Wildt) seines Zeichens Präsident der IPA (International Pirat Association) auf der Bühne des Amphitheaters nur der dänische Piratenschlachtruf mit dem zünftigen: „Øksehyg“ (öksehüg) angetan, natürlich fehlte das deutsche „Hackebeil“ auch nicht. Aber es wäre angebracht gewesen auch die anderen Nationen mit ihren Schlachtrufen durchzudeklinieren. (Öksehüg in Lautschrift könnte ja auch von den Türken sein … so ähnlich wie Güllehülle). Carsten, nun entgleist du aber doch.

Die Aktiven hatten alle hinter liebevoll gebastelten Nationenschildern Platz genommen. Aber man konnte natürlich hocherfreut sein, das tatsächlich acht Nationen mit einigen Kunstgriffen am Start waren. So viele teilnehmende Nationen hatte es noch nie in der Geschichte der Piratenklasse gegeben, aber durchaus sehr viel mehr aktive Teilnehmer! Ja, manchmal kann eine Selbstbeschränkung, wie die in Deutschland, auch nach hinten losgehen, denn die Müritz und der Veranstalter hätten auch 80 bis 100 Boote verkraftet. Das hätte auch der Kriegskasse für den Verein gut getan und und und und …

Ganz besonderes Lob an das türkische Team, die mit elf Mannschaften hinter Deutschland die meisten Teilnehmer stellten und auch einen tollen Gesamteindruck mit ihrer orangen Teamkleidung hinterließ. Da konnte man Jörn-Christoph glatt als Türken empfinden, wenn er seine orange Jacke anlegte. Tat er natürlich oft, um in der orangen Masse abzutauchen ;).
Das Hackebeil von Daniel füllte sich und wurde voll, in der Dunkelheit ein toller Anblick. Dann wurde irgendwann zum Aufbruch geblasen. Das „Beilchen“ wurde samt Flaschen und Kerzen auf die Schultern genommen und dank intensiver türkischer Trageunterstützung in das Vorzelt der Bootshalle getragen und … tschä, die Atmosphäre hatte tatsächlich etwas mit Aufbahren und zu Grabe tragen gemeinsam. Nein, nein, nein, aber vielleicht doch ein Weckruf!

Die Türken verlangten nach dieser Transportaktion nach einem Gesellschaftsspiel. Willem van der Wal, unser uriger Holländer, und Spaßkanone als auch Andraes Ebel aus unserem Beritt hatten da tolle Ideen. Aber die Türken waren bärenstark und gewannen fast alle Wettbewerbe, sodass es fast täglich Revanchen gab, die immer wieder die Türken gewannen … oder auch mal andere? Ich trollte mich mit dem Bild des aufgebahrten Beiles im Kopf und mit Plänen für rosige Zeiten von dannen. Toll geschlafen. Wieder ar…kalt, draußen, nicht in meinem Schlafgemach. Nein, dort ist alles bestens. Mehr erzähle ich jetzt nicht dazu.

Dienstag, 12.09.2017, erster Regattatag.
Geplant drei Wettfahrten. Wie jeden Tag: Tracker in Empfang nehmen, Bahnmarken mit Frischluft versorgen, unsere lässt mächtig Luft, ablegen gegen 9:30 Uhr, die Segler auch, denn es ist ein mörderischer Anmarschweg. Das Schifffahrtszeichen - Mitte Müritz - ist immer in Sichtweite!

Ja, die Trackersysteme werden immer mehr bei Regatten eingesetzt. Jedes Boot, Start- und Zielschiff, die Start- wie auch Ziellinienbegrenzung, sowie die Bahnmarken werden mit diesen GPS-Trackern ausgerüstet. Man kann dann über Satellit und YouTube jedes einzelne Boot auf dem Bildschirm verfolgen. Das ist super, so kann der Freund/die Freundin deinen gesegelten Kurs im Büro verfolgen. Das gilt natürlich auch für die „Omma“, die dir das neue Segel extra für die EURO gesponsert hat oder deinen Kumpel, der gerade auf einer Forschungsstation in der Antarktis hockt. Natürlich auch für hunderte Zuschauer an Land, die das Segelgeschehen verfolgen wollen. Ihr seht, es ist sehr vielfältig, aber nicht vergessen, die Tracker abends aus der Hosentasche zu nehmen und zum Aufladen abzugeben, sonst gibt es vielleicht Missverständnisse.

Dazu gibt es die Episode: Wie die Euro finanziell gerade noch gerettet wurde!
Es geschah am Dienstag während einer Starkwindwettfahrt, dass der Tracker von der Zielbegrenzungsmarke abfiel (wer hat den festgetüddelt? Vortreten zum Knoten üben!) und in der Müritz schwamm (Kostenpunkt so um die 100 Euronen). Ihn sofort zu suchen war nicht möglich, da alle Begleitboote sich um die Bahnmarken und die Absicherung des Kurses kümmern mussten. Julius und Frieder (4418) haben den Tracker schwimmen sehen, ihn aber ob des heißen Kampfes, sie waren zu dem Zeitpunkt am Ziel erster, nicht aufgefischt. Sie haben nur geflachst, ob sie überhaupt die Zielbegrenzungsmarke noch nehmen müssten, denn elektronisch waren sie ja schon drüber weg und im Ziel. Na ja sie haben dann aber doch alles richtig gemacht sind durch das Ziel gefahren Ja, einen neuen Tracker anbauen ging ja, ihn aus dem System zu nehmen, den verlorenen natürlich, ging auch. Der Verlorene wurde dann telefonisch in seiner Sendeleistung heruntergefahren, so dass er tatsächlich über die weiteren Tage sendete und man seine Position abrufen könnte. Nach dem Zieldurchgang der letzten Wettfahrt ist Fabian (ihr erinnerte euch, mein Pin-End Partner) dann auf ein größeres Motorboot umgestiegen. Der Tracker lag inzwischen am Ostufer der Müritz im Naturschutzgebiet. Sie sind dann so dicht wie möglich an das Ufer gefahren (dort ist es flach), haben sich dort verankert und Leinen ausgesteckt und sich mit dem Boot an den Schilfgürtel gestakt. Einer ist dann raus und hat watender Weise gesucht. Sie wollten schon aufgeben, als der Tracker in seiner gelben Kapsel in alten Schilfhalmen, die im Wasser schwimmen und dann eine Arte von Barriere bilden, auftauchte. 100 EURO gerettet, damit wurde das defizitäre Euro-Budget gerade noch so gedeckelt (oder stimmt das nicht?). Eine tolle Leistung derer, die den Tracker aufspürten und bemerkenswert, was heute doch so technisch alles möglich ist.

11:00 Uhr Start zur ersten Wettfahrt. Wind aus SW, mäßig bis stark, in Böen auffrischend.
Frühstart, dann Black. Klappt. Schweizer Mädchenmannschaft kentert kurz nach dem Start. Wollen keine Hilfe, fahren dann aber doch rein. Hut ab, denn sie haben sich ganz schön gequält. Die Favoriten ziehen ihre Kreise. Svenja und Butze auf 4480 legen einen vor. Aber die Jugend dreht auf, denn dahinter folgen Lukas Brüning und Femke Gosch auf 4470, dann auf Platz drei Frieder Billerbeck und Julius Räthel auf 4418, dahinter Max und Fine Billerbeck auf 4285 und auch die Civys aus dem Tschechenland (CZE 554) mit Platz fünf sowie Daniel und Alfred (4415) auf Platz sechs setzen Achtungszeichen. Ines und Thomas (4464) hatten auf das Pre-Race verzichtet und fuhren „nur“ einen neunten ein.
Tolles Timing des Wettfahrtleiters, Zieldurchgang des ersten nach 46 Minuten, Zieldurchgang des letzten nach 54 Minuten – eine tolle Bootsklasse!

WVG-Platzierungen:
6. Alfred Seeger (4415); 20. Andreas/Matthias (4269); 24. Magnus/Ulf (4341); 25. Jens/Susanne (4299)

12:24 Uhr Start zur zweiten Wettfahrt. Wind weiter aus SW, mäßig bis stark, in Böen auffrischend.
Start klappt, die Piratensegler ziehen ihre Kreise. Der Kurs ist für die gesamte Wettfahrtreihe etwas ungewöhnlich. Ein Up-and-Down und dann ein Dreieck.

Start – BM 1 – BM1a – Tor – BM 1 – BM 1a – BM 2 – Tor – Ziel
Insbesondere von der BM 2 kommend beschwört diese Form des Kurses aus meiner Sicht auf Grund der Halse vom Halbwindkurs kommend doch einige Gefahren und auch vom Kursablauf her eine ganz klare geometrische Begünstigung der Backbordtorbahnmarke (in Kursrichtung BM 1 geschaut). Ein Glück ist an dieser Stelle nicht viel passiert, aber es ist aus meiner Sicht haarig. Der Kurs war zu den Internationalen Deutschen Meisterschaften der Flying Dutchman im August ausprobiert worden und hat dort geklappt. Ich habe FD-Segler gefragt, die sagten mir bei leichten und drehenden Winden, kommt man vom Raumkurs durchaus wie vom Downwindkurs an, also nicht so schlimm. Aber bei Starkwind brettert man auf die Steuerbord-Bahnmarke des Tores (aus Sicht des Startes) zu, da eine Halse Harakiri und bei zu viel Geschwindigkeit vernichtend sein kann. Einleuchtend! Wir sollten den Kurs mal in den Winterschulungen beleuchten.

Wir können wie gesagt alles nur aus Lee verfolgen; das fuchst natürlich den Regattasegler, wenn er mobil ist. Aber klar ist auch, dass wir da unten unsere Aufgaben natürlich wahrnehmen müssen. Keine Frage.

Zur großen Freude sehe ich Magnus und Lolek auf 4341 am Tor auf Platz drei, nach der nächsten Runde immer noch. Toll und im Ziel auch. Glückwunsch!!! Da kann man mal sehen, was so in einem steckt, wenn man alles richtig macht. Es gewinnen Lukas und Femke (4470) vor Daniel und Alfred (4415 – auch toll! ja sorry ein bisschen Vereinsmeierei darf ja wohl sein). Vierter werden Ines und Thomas (4464) – na, hat man sich jetzt ein wenig eingesegelt? Und Fünfter werden die wohl derzeit besten Türken Murat Suntay und Baris Ünlü auf TUR 1967. Platz 8 ersegeln Svenja und Butze. Frieder und Julius (4418) werden gar 27. Da haben wohl einige schon einen Streicher. Umgekehrt lässt das Rückschlüsse auf eine hohe Leistungsdichte zu. Einige wenige hatten offensichtlich Material- und andere Probleme; sie waren nicht mehr an den Start gegangen. Mensch und Material wurden vom anhaltenden starken Wind gefordert.

Zieldurchgang des ersten nach 47 Minuten, Zieldurchgang des letzten nach 54 Minuten. Wieder tolles Timing.
WVG-Platzierungen:
2. Alfred Seeger (4415); 3. Magnus/Ulf (4341); 13. Andreas/Matthias (4269); 29. Jens/Susanne (4299)

13:49 Uhr Start zur dritten Wettfahrt. Wind wie gehabt, weiter aus SW mäßig bis stark, in Böen auffrischend.
Start klappt. Wir müssen, ein Glück, nur wenig korrigieren, aber das nimmt auch immer seine Zeit in Anspruch. Es ist nicht tief, dort wo wir starten, ca. 10 bis 15 Meter, aber durch den starken Wind bekommen wir auf dem Grund schwer Halt und müssen manchmal einen Zweitanker ausbringen; auch die Bahnmarken vertreiben. Trotz des ziemlich starken Windes gibt es zeitweise einige Dreher, die es in sich haben, aber letztlich korrigierte sich der Wind fast immer in seine Ausgangsposition. Wenn die Wolkenfelder durchgehen, manchmal auch mit Niesel, frischt es heftig auf und so sollte es alle Tage sein. Ein Glück sind wir gut gerüstet mit Hochseesegelklamotten, Südwester und einer Portion Pflichtgefühl und Humor. Wir schnacken über das Segeln, vergangene Tage und auch über Zukunftspläne. Mein Partner, der Jungvater, hat noch mehr als ich, wenngleich … ja, ich habe auch noch Einiges vor. Hoffentlich bleibt man gesund und die Großwetterlage möge sich im Sinne der Menschen beruhigen. Schlimm, was die Mächtigen so von sich geben und auch veranstalten!!! Ein Glück haben wir gefühlt die friedvolle Müritz für uns.

Die Piraten ziehen ihre Kreise. Die Civys (Josef und Dalmor) auf CZE 554 liegen überraschend vorne, na ja so überraschend nun wieder auch nicht, denn sie sind fix. Sie halten das auch bis ins Ziel und gewinnen vor Ines und Thomas (4464), Frieder und Julius (4418), Svenja und Butze 4480) und Daniel und Alfred (4415).

Zieldurchgang des ersten nach 47 Minuten; Zieldurchgang des letzten nach 55 Minuten.
WVG-Platzierungen:
5. Alfred Seeger (4415); 13,5. Magnus/Ulf (4341) (ja, „13-Komma-5“, nach Protest und Antrag auf Wiedergutmachung, Ergebnis: Durchschnittsplatz des Tages); 15. Jens/Susanne (4299); 27. Andreas/Matthias (4269)

Überaus tolles Timing!!! Oder liegt es an der Bootsklasse. Wir sammeln unsere Bahnmarken ein, sichern nach hinten ab und fahren rein. Wir dürfen auch nicht so sehr viel vor dem Zieldurchgang reinfahren, weil die Wettfahrten durch Tracker begleitet werden und somit falsche Linien entstehen und somit den Betrachter verwirren können.

An Land angekommen, heißt es Bockwurst fassen und ein Getränk der Wahl in Empfang nehmen. Das ist eine sehr willkommene Erfindung der Röbeler, da ist der erste Hunger und Durst gestillt, Tageswettfahrten auswerten, schnattern wie und wenn und hätte ich usw.

An Land ist bereits ein weiterer Teil der Reinsbergfamily in Aktion. Carsten Reinsberg, ein allen bekannter Piratensegler aus der genannten Dynastie, heute leider weniger auf dem Parcours anzutreffen, da inzwischen Hotelier und Gastronom des „Bootshauses“ in Neustrelitz, macht heute Pute am Grill – genau genommen zwei Puten. Ich kann die Vorbereitungen bestens aus meinem Quartier beobachten, da ich direkt am Rande der Festwiese kampiere. Die sind im Stress, echt Arbeit und auch am nächsten Tag beim Abräumen, Aufräumen und Einpacken – Arbeitsfreude pur. Es macht Carsten und Crew offensichtlich Spaß.

Also am Abend Pute, leider kommt ein Schauer. Die Segler sättigen sich. Das Freibier fließt nicht; es ist zu kalt. Glühwein wäre besser gegangen. Alle sind vom Seetag geschlaucht und ziehen sich frühzeitig in ihre Heia zurück … bis auf einige wenige. Auch ich bevorzuge den Schlaf und wundere mich, wie man mehr oder weniger vom Nichtstun so müde sein kann. Der Wetterbericht verheißt nicht unbedingt Gutes, na ja Ansichtssache, denn der Wind soll weiter auffrischen, na dann schaun mer Mal was der nächste Tag so bringt.

Mittwoch 13.09.2017, zweiter Regattatag.
Auf dem Papier stehen drei Wettfahrten. Der Wettfahrtleiter lässt durchblicken, dass auf Grund der Wetterprognose, Starkwind auch an den nächsten Tagen, der heutige Tag eventuell nur eine Wettfahrt gestattet, da der Wind ab Mittag auf Stärken zwischen acht bis zehn auffrischen soll. Wir fahren um 9:30 Uhr raus. Aktive, Wettfahrtleitung, mehr oder weniger alle, sowohl auf dem Wasser als auch an Land eingebundenen Helfer sind gespannt, was der Tag so bringen wird.

Wind aus S mäßig bis stark, in Böen auffrischend, aber heftiger als am Vortag, dazu eine eklige Welle. Es hatten ohnehin einige ob der Windwarnung, die Wettfahrt für sich gestrichen (neun Boote DNS), andere mussten dann auf dem See den Naturgewalten Tribut zollen (sieben Boote DNF), wieder andere (ein Boot), hatte die Black Flag übersehen. Es war aber ganz klar segelbar und die Mehrzahl der Boote, die draußen waren, bewies das auch.

11:00 Uhr Start zur vierten Wettfahrt.
Der Wettfahrtleiter startet sofort mit Black, um Zeit gegen die angesagten weiter auffrischenden Winde zu gewinnen. Das war richtig! Die Piraten ziehen wieder ihre Kreise, etliche Kenterungen und Aufgaben, andere wiederum richteten ihre Boote auf und brachten das Rennen zu Ende. Hut ab vor diesen Leistungen! Wir haben wieder Mühe, Halt in die Bahnmarken und die Schiffe zu bekommen, aber es gelingt. Die Manöver der Piraten gestalten sich schwierig. Hier kann man an den Leebahnmarken deutlich sehen, wer bei Starkwind trainiert und sein Boot dementsprechend beherrscht. Erstaunlich für mich war, dass unsere Hoffnungsnachwuchsmannschaft aus Güstrow, Andreas Ebel und Martin Schlichting (sie sind ja eher Leichtgewichte), zu den Mannschaften gehören, die bei den Manövern am besten aussehen. Bravo!!!

Frieder und Julius (4418) ziehen gemeinsam mit Ines und Thomas, Svenja und Butze (4480) ihre Kreise, auch Hegi und Matthias (4372), die Helmsmans (4396), aber auch Lukas und Femke (4470) mischen mit – wechselnde Platzierungen. Daraus schließen wir, dass es oben an der Bahnmarke 1 trotz des Starkwindes würfeln muss. So ist dann auch der Zieleinlauf.
Zieldurchgang des ersten nach 41 Minuten; Zieldurchgang des letzten nach 51 Minuten. Die müssen über den Kurs geflogen sein! Wieder überaus tolles Timing!!!

WVG-Platzierungen:
8. Alfred Seeger (4415); 12. Magnus/Ulf (4341); 14. Andreas/Matthias (4269); 17. Jens/Susanne (4299)

Der Wind nimmt deutlich zu, der Wettfahrtleiter trifft die richtige Entscheidung: Heute keine weiteren Wettfahrten mehr. Auf der Heimfahrt müssen wir noch einem Türken helfen, der an Bahnmarke zwei gleich vielen anderen wassern musste, er war aber durchgekentert und die Schwertsicherung war nicht aktiviert worden … ja, ja, Kardinalfehler. Die schwammen schon über eine halbe Stunde in der Müritz. Die war am Wochenanfang mit 19°C um zwei Grad wärmer als der unsrige Inselsee. Was der Starkwind zwischenzeitlich noch an Temperaturen aus der Müritz herausgeweht hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Irgendwie wurde mit geeinter Schlepperhilfe das Boot aufgerichtet. Seemannschaftlich müssen zu viele Hinweise gegeben werden. Irgendwie packen sie es dann aber und ab in den Hafen. Wind pustet heftig, an der Küste, auch in Warnemünde, bis zu 10 Bft, die werden es in Röbel aber nicht, ein Glück.

Auf der Heimfahrt sehen wir noch, wie es Bernd Andersson und Eberhard Steffen auf 4400 nach Luv erwischt. Uns Uwe steht schon fast nackig auf der Badeplattform des Startschiffes, um zu signalisieren ich komme, ich helfe. Da haben die beiden Altmänner noch mal alle Kräfte mobilisiert und schafften es aus eigener Kraft das Boot aufzurichten und in den Hafen zu segeln. Auch ihr Betreuer, der Sepplzinder aus Cottbus, hatte genug mit sich selbst und seinem kleinen Begleitboot auf der Müritz zu tun. So ein richtiger Retter war er auch nicht.

Ja, wenn man so alleine ohne toten Mann und Schwimmweste unterwegs ist … ich weiß nur einmal, aber bekanntlich kann einmal schon reichen …

Die Nachbarn neben meinem World Best Quek waren neben Ines (unser Schokokügelchen Lieferant, dafür und für andere wesentlich wichtigere Ereignismeldungen nochmals mein ganz besonderer Dank!!!) und Thomas, Frieder und   Julius. Die einen im Wäschetransporter die anderen im Clownsailshauptquartier. Letztere besaßen eine mobilen Wäschetrockner, der ob der Winde und entsprechender Segelnässe der Müritz und vereinzelten Schauern ständig betrieben wurde und große Aufmerksamkeit erregte, denn die Sanitäreinrichtungen der Röbeler Segelvereins waren überlastet mit Trockenheit suchenden Stiefeln, Ölzeug, Unterwäsche, Salopetten usw. Leider ist von den Helmsmans auch eine Salopette abhandengekommen. Ich weiß nicht ob es noch den ehrlichen Finder gegeben hat? Ja, ein Trockenraum in Röbel wäre wohl nicht schlecht. So als Idee für die nächsten Jahre…

Ja, ich wollte noch etwas anderes erzählen, wo wir nun gerade beim Clownsailshauptquartier sind, nämlich:

Wie Julius seine Bundestagswahl rettete.
Es geschah in Röbel am Nachmittag des 13.09.2017. Julius öffnete die Beifahrertür des Clownsailshauptquartiers, die Heckklappe stand offen, da kam ob des Starkwindes und des Durchzuges plötzlich eine Stapel Papier aus dem Bus und wirbelte in die Lüfte, vereinzelte Blätter blieben in den Baumkronen hängen. Wir alle hinterher, nein nicht in die Baumkronen, sondern was auf dem Erdboden bzw. in Kopfhöhe verwirbelte. Aus den Baumkronen die kamen auch irgendwann. Es blieb alles relativ sauber, nichts landetet im Hafenbecken. Es waren die Briefwahlunterlagen von Julius. Ich glaube mit etwas Geduld und Glück wurden alle gemeinsam eingesammelt, eine Wahlbeeinflussung wurde nicht vorgenommen. Ich kann nur hoffen, dass Julius richtig demokratisch gewählt hat.

Nach der Erbsensuppe und dem Gemüseeintopf aus der Gulaschkanone, wieder von Carsten und Co. super zubereitet, findet am Mittwochabend der Nationenabend statt.

Die jeweiligen Bundesländer sind die Ideengeber und die Nationen müssen Vertreter stellen. Die kleinen Nationen (gemessen an der Anzahl der Aktiven) wie Dänemark, Ungarn und die Holländer werden aufgefüllt. Ich habe nicht alle Wettbewerbe mitbekommen. Aber den Tamponwettbewerb (es zeichnete sich Mecklenburg-Vorpommern verantwortlich) und das Schießen schon. Der Tamponwettbewerb wurde von Andreas Ebel moderiert. Mir schien als ob er jahrelang Tamponvertreter in Hong-Kong gewesen ist, so flüssig und elegant war die Einweisung und Moderation. Ich glaube, hier haben, wie in anderen Wettbewerben auch, wieder die Türken gewonnen. Beim Schießen (natürlich eine Idee der Niedersächsischen Schützenfestkönige) dachten wir, nun schicken wir unseren besten Marinesoldaten der NATO, unseren Magnus, ins Rennen und waren schon, obwohl noch kein Schuss abgegeben worden war, vorab die gefühlten Sieger. Pustekuchen, denn die anderen Nationen haben uns so einen vorgeballert, das uns Hören und Sehen vergangen ist. Fazit: Vor unserer Marine muss keiner Angst haben, jeder zielwassertrunkene Segler ist treffsicherer. Die Gefahr lauert eher im Norden von den Dänen (den räuberischen Wikingern) und im Süden von den Öschis, die in dieser Reihenfolge auch siegten. Wir Deutschen haben uns offensichtlich als Gastgeber brav zurückgehalten. Ja, so gehört sich das!!! Ich glaube am Abend lief danach wieder eine der gefürchteten Revanche der Türken, in dem Spiel was ich nicht kenne. Einige können nicht genug kriegen und das trotz des harten Wettkampftages und am nächsten Tag sollte es ja wieder wehen …

Donnerstag, 14.09.2017, dritter Regattatag.
Auf dem Papier stehen drei Wettfahrten. Wind wieder aus SW mäßig bis stark, in Böen auffrischend. Welle nicht ganz so eklig wie am Vortag. Für uns das gleiche Ritual wie an den Vortagen, letztlich für alle anderen auch.

11:00 Uhr Start zur fünften Wettfahrt. Start misslingt, da Wind in Startminute dreht. Allgemeiner Rückruf. Wir verlegen die Leebahnmarke in Windeseile. Nächster Startversuch um 11:10 Uhr. Er gelingt. Wie gehabt ziehen die Piraten ihre Kreise. Wir beobachten eigentlich nur ein Boot, die 4418 (Frieder und Julius). Warum?
Erklärung:
An Bahnmarke 1 waren sie auf Platz 20!
Nach dem Downwindkurs und der 2. Kreuze wieder an Bahnmarke 1 angekommen auf Platz 10!
Nach dem Dreieck unten am Tor auf Platz 6!
Und im Ziel, wie wir über Funk hörten auf Platz 1!!!
Toller Husarenritt, davon werdet ihr wohl noch Jahre träumen.

Ines und Thomas (4464) machten genau das Gegenstück dazu. Unten am Tor vor der Zielkreuz noch auf Platz zwei oder drei, so genau war das nicht auszumachen, oben im Ziel Platz 10? An Land zur Rede gestellt: Ja, da oben drehig, falsche Seite und … wir sind ja auch nicht mehr die Jüngsten, der Wind steckt uns doch zunehmend in den Knochen.
Zweiter 4480, Dritter 4372, Vierter 4396 (Hut ab!), Fünfter 4488 (Simone und Paul - Donnerwetter!), und Sechster 4415 (Daniel und Alfred, die auch eine besondere Konstanz bisher vorlegen, weiter so!).

Zieldurchgang des ersten nach 41 Minuten; Zieldurchgang des letzten nach 49 Minuten. Fast die gleichen Zeiten wie in der 4. Wettfahrt und wieder ein überaus tolles Timing!!!
WVG-Platzierungen:
6. Alfred Seeger (4415); 12. Magnus/Ulf (4341); 24. Andreas/Matthias (4269); 34. Jens/Susanne (4299)

12:24 Uhr Start zur sechsten Wettfahrt.
Wind wie in der Wettfahrt zuvor, in Böen auffrischend. Sonnig, mit den Wolken nur für gefühlte Sekunden, dann aber Wind wie eine Dampfwalze.

Start klappt, alles scheint gut, aber dann kommen die erwähnten Dampfwalzenwolken. Vor allem auf den Dreieckskursen fegen sie mit höchster Wirkung über die Boote hinweg. D.h., diese kentern auf den Raumkursen und bei der Raumhalse, aber nicht einer, nein immer gleich drei bis vier Boote gleichzeitig. An der Raumbahnmarke erwischt es auch unseren Präsi Kalle und Johannes auf 4466. Der Wettfahrtleiter ordert uns, als Absicherung zu den Gekenterten zu fahren. Aber die meisten schaffen es alleine und segeln auch weiter.

Auf dem zweiten Raumgang höre ich es vom Kurs her knallen. Wir sehen zwei Boote oder auch mehr in unübersichtlichen Situationen, auch gekenterte oder nur einer. Wir sind zu weit entfernt, können das ganze nicht richtig deuten, aber es muss etwas passiert sein. Was, erfahren wir dann an Land.

Zieleinlauf: 1. 4480; 2. 4396; 3. 4464; 4. 4352 (Daniel Saleweski/Patrick Schulte); 5. 4470 und 6. 4415.
Zieldurchgang des ersten nach 42 Minuten; Zieldurchgang des letzten nach 57 Minuten. Wieder ein überaus tolles Timing!!! Der letzte ist einer der Gekenterten, der die Wettfahrt aber noch ordentlich beendet hat.
WVG-Platzierungen:
10. Alfred Seeger (4415); 20. Magnus/Ulf (4341); 23. Andreas/Matthias (4269); 31. Jens/Susanne (4299) (Das war kein erfolgreiches Rennen aus WVG-Sicht.)

Nach diesen zwei Wettfahrten, die es wieder in sich hatten, schickte der Wettfahrtleiter die Aktiven an Land. Völlig richtige Entscheidung.

An Land erfahren wir, dass der Däne Uffe Sudergaard mit seiner Tochter Ditte auf DEN 1014 offensichtlich AUT 7 mit Alexander Lehner und seiner Tochter Gloria versenken wollte. Wie war das noch mit dem kleinen räuberischen Volk im hohen Norden, den Wikingern? Die Dänen haben dann auf Grund des hohen Schadens den Kurs verlassen und die Wettfahrt aufgegeben. Mir ist ein Rätsel wie Alex und Tochter überhaupt an Land gekommen sind, denn das Unterwasserschiff in Höhe des Schwertkastenbolzens hatte ein riesiges Loch. So etwas habe ich noch nicht gesehen. Für die Jury sicherlich eine – im Ergebnis – einfache Entscheidung. Jörn-Christoph hatte die Protestverhandlung zu leiten. Wie überhaupt die Jurymitglieder doch einige Arbeit hatten. Wie wichtig eine internationale Jury ist, ist sicherlich nicht allen bekannt, sie fällen Entscheidungen, gegen die nicht mehr in Berufung gegangen werden kann. D. h., damit ist am Ende der Woche der Europameister auch tatsächlich Europameister und muss nicht eventuelle Entscheidungen am „grünen Tisch“ abwarten. Ein ganz wichtiger Bestandteil der Regattaorganisation und -durchführung. An Land wurde der Schaden ungläubig von den Aktiven bestaunt. Ein Ersatzboot, das Anne Helms, unsere deutsche Präsidentin, zufällig auf dem Trailer hatte, wurde auf Antrag zugelassen, sodass Alex und Gloria die Wettfahrtreihe auf diesem Ersatzboot zu Ende segeln konnten.

Mit den ersegelten Platzierungen sind gewisse Vorentscheidungen gefallen, aber es stehen noch drei Wettfahrten aus, die gemäß Programm noch absolviert werden können.

Einen Reinsberg habe ich noch nicht erwähnt, nämlich den dritten im Bunde und Vater der Vorgenannten, den Uwe (übrigens WVG-Ehrenmitglied), der steuerte die gesamte Woche das Startschiff und soll beim Setzen der Signalflaggen nicht ganz fehlerfrei gewesen sein. Aber die Versorgunglage auf dem Schiff soll er umso exzellenter im Griff gehabt haben, wie Altmeister Bruno aus Teterow zu berichten wusste. Gleichermaßen soll der Bruno auch von Wind und Welle und den Leistungen der Segler beeindruckt gewesen sein. Wir auch.

Am Abend war dann das Galadinner angesetzt. Der Caterer, der auch in der ganzen Woche das Frühstück machte, und seine Crew waren eine Wucht! Herzlichen Dank für die angenehme Atmosphäre und insbesondere das bereits erwähnte Galadinner. Es war ausreichend, die Segler waren diszipliniert (das haben wir beides schon anders erlebt!) und es fehlte an nichts. Eine kulinarische Meisterleistung!!! Well done! Thanks a lot! Danke natürlich auch der Regattacrew, die ja auch das bestellt hat. Irgendwann nach Übersättigung ab in die Heia.

Freitag 15.09.2017, vierter und letzter Regattatag.
Auf dem Papier stehen drei Wettfahrten.
Dazu gab es im vornhinein einige Diskussionen der Aktiven in Richtung Wettfahrtleitung, dass diese doch ihre letzte Startmöglichkeit auch ausnutzen solle. Vorweg: Sie tat es und das war richtig!

Wind wieder aus W mäßig bis stark, in Böen auffrischend und in Richtung SW drehend. Welle wie am Vortag. Für alle das gleiche Ritual wie an den Vortagen.

11:00 Uhr Start zur siebten Wettfahrt
Start klappt unter der neuen U-Flagge (der WFL will Zeit sparen wegen der gewünschten als auch ausgeschriebenen drei möglichen Wettfahrten) auf Anhieb, die Segler ziehen wie gewohnt ihre Kreise. Nur noch wenige Ausfälle, es scheint, als ob die Crews zunehmend die Starkwindszene beherrschen.

Nach wenigen Positionskämpfen laufen die ersten sechs wie folgt ein:
1.  4480; 2. 4372; 3. 4202 (Bärchen und Olli); 4. 4352; 5. 4353 (Kai mit Christine), 6. 4415; 4418 wird Achter und 4464 gar nur 18. Die Helmsmans auf 4396 brettern nach ihrer tollen Serie einen 20. hin. 4418 fahren einen 21. ein! Uff!
Damit verdichten sich die Vorentscheidungen massiv in Richtung 4480, aber es gibt voraussichtlich noch zwei Wettfahrten.
Zieldurchgang des ersten nach 43 Minuten; Zieldurchgang des letzten nach 57 Minuten. Zum Timing muss man nichts mehr sagen, einfach toll.
WVG-Platzierungen:
6. Alfred Seeger (4415); 7. Jens/Susanne (4299); 13. Andreas/Matthias (4269); 16. Magnus/Ulf (4341)

12:13 Uhr Start zur achten Wettfahrt.
Wind wieder aus W mäßig bis stark, in Böen auffrischend und in Richtung SW drehend. Start klappt wieder unter U. Es erwischt wieder einen mit UFD … das scheint immer der gleiche zu sein. Segler beherrschen den Kurs
Zieldurchgang:
1.  4480; 2. 4418; 3. 4396 (na geht doch!); 4. 4470; 5. 4464, 6. 4445 (Sebastian Bunte/Ralph Nyhuis – die auch eine Superserie hingelegt haben); 4415 wird 16. (es wird ihr Streicher).
Zieldurchgang des ersten nach 44 Minuten; Zieldurchgang des letzten nach 52 Minuten.
WVG-Platzierungen:
14. Andreas/Matthias (4269); 16. Alfred Seeger (4415); 22. Jens/Susanne (4299) 34. Magnus/Ulf (4341)

Damit ist es entschieden: Mit drei ersten Plätzen in Folge werden Svenja und Butze auf 4480 zum zweiten Mal nach 2011 gemeinsam Europameister. Butze ist das nun schon 3. Mal gelungen (1993, 2011, 2017). Herzlichen Glückwünsch zu dieser tollen, von mir bei diesen Winden nicht ganz unerwarteten Leistung!!! Auch der Vize-Titel ist fast vergeben, aber es gibt der Möglichkeiten ja viele.

13:48 Uhr Start zur neunten und letzten Wettfahrt
Wind aus SW weiterhin mäßig bis stark, in Böen auffrischend.
Start klappt unter U. Es starten noch 45 Boote, der Rest scheint geschlaucht zu sein. Verständlich, die Woche war hart. Die 45 ziehen wie gewohnt ihre Kreise.
Zieleinlauf:
1. 4396; 2. CZE 554; 3. 4418; 4. 4352; 5. 4464 und 6. 4445. Da haben ja einige noch einen richtigen Endspurt hingelegt.
Zieldurchgang des ersten nach 39 Minuten; Zieldurchgang des letzten nach 48 Minuten.

WVG-Platzierungen:
5. Jens/Susanne (4299); 7. Alfred Seeger (4415); 11. Magnus/Ulf (4341); 15. Andreas/Matthias (4269)

In der Gesamtwertung werden Frieder Billerbeck und Julias Räthel (4418) Zweiter, Ines und Thomas (4464) Dritter, Daniel und Alfred (4415) Vierter, Lukas und Femke (4470) Fünfter und die Helmsmanbrothers Björn und Marc Sechster.
Die WVG-Platzierungen sind außer Alfred nicht von Konstanz. Einzelplatzierungen zeigen allerdings: Wir können mithalten. Sicher haben auch Peter & Peter und Ludger gefehlt. Unzufrieden sein müssen wir aber nicht! Auch unseren Aktiven gebührt ein Glückwunsch, natürlich ganz besonders Alfred und Daniel, die den undankbaren 4. Platz ersegelten. Eine tolle Leistung!!!

Ja, neun Wettfahrten lagen hinter den Seglern und Organisatoren. Eine Woche, die es in sich hatte und neun Wettfahrten zeigen auch ein deutliches und verdientes Ergebnis. Eine Woche später hätte die Welt ganz anders ausgesehen, da wären sicherlich nur mit Mühe die erforderlichen Wettfahrten zustande gekommen, denn es hatte sich ausgeweht.

Es gab noch eine weitere Julius Episode:
Wie Julius seine Haarpracht einbüßte
Ja, darüber war schon viel gemunkelt worden. Ich war nicht im Bilde, ließ mir das dann erklären. Bei der Deutschen hatte Jens dem Julius angeboten ihm die Haare zu schneiden. Naja, nach anfänglichen Zusagen hatte Julius dann doch zu viel Angst bei weiblichen Segelmacherkunden und sonstigen Verehrerinnen etwas von seinem legendären Juliuscharme einzubüßen. Also wurde bei der Deutschen nichts daraus, aber es entstand folgende Abmachung: Wenn ihr bei der Euro unter die ersten drei kommt, dann bist du dran. Damit war Julius einverstanden. Alle anderen natürlich auch. Ja, nun waren sie zweiter, und die Abmachung wurde, wie das unter Ehrenmännern ist, eingelöst. Und alle einschließlich Julius waren von dem Ergebnis angenehm überrascht. Jens und Paul hatten ganze Arbeit geleistet (man hörte sie überlegen das sie den Toppromifriseuren wie Udo Walz die Stirn bieten wollen und einen Friseursalon bzw. eine Salonkette in Deutschland errichten wollen, ob dieses überwältigenden Erfolges an Julius). Die haben den echt zum hübschesten Mann des Abends gestylt. Da verblassten Butze und Harpo auf dem Siegerpodest neben ihm.

Wieder zum normalen Leben zurück. An Land fahren, sortieren, Boot aufklaren, Schlafquartier aufklaren, Wäschesack für daheim gebliebene Frau packen (freut sich sicherlich schon aufs Waschen und Bügeln, ja so trägt ein jeder sein Kreuz). Am Abend dann eine gelungene Siegerehrung. Die Sieger ließen sich nicht lumpen….Heino macht das wieder sehr gut. Eine Showband aus Rostock spielt auf, aber so richtig tanzwütig sind nicht sehr viele. Die Woche war hart, aber schön. Ich mache den polnischen, denn ich will eine Woche später schon wieder auf Tournee, im Heimatverein wartet Arbeit und eine Abschiedszeremonie von allen, hätte Stunden gedauert. Sorry!

Den Röbelern vom Röbeler-Segler-Verein „Müritz“ e. V. gebührt
GROSSER DANK!!!
für eine Superveranstaltung.

Ja, wie geht es nun weiter? Nächste EURO, Türkei oder Ungarn? Drücken wir die Daumen, dass die Gewaltigen und Mächtigen auf diesem unserem Globus zur Vernunft kommen, damit wir überall auf dieser Welt unseren Sport abseits der medialen Spinnereien in einer tollen Gemeinschaft erleben können!

Ein dreifaches Hackebeil den Piraten, dem Umfeld und den vielen Sympathisanten!!!

Carsten Jansen, WVG 1928 e.V.

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