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In diesem Jahr fand die Deutsche Meisterschaft der Kutter ZK 10 im Rahmen der 128. Kieler Woche vom 17. bis 19. Juni 2017 auf der Kieler Förde vor dem Tirpitzhafen der Naval Base Kiel statt. Für viele Teilnehmer ein sehr früher Zeitpunkt für die Meisterschaft. Es gingen trotzdem 24 Kutterbesatzungen aus ganz Deutschland an den Start und sorgten für eine farbliche und regattatechnische Belebung im Rahmen dieser weltweit größten Traditionsveranstaltung.

Aus Teterow waren drei Kutter dabei. Die „Poseidon“ (Steuermann Heiko Otte), die „Resi“ (Steuermann Hubert Zisch) und die „Teamwork“ (Steuermann Hans-Werner Rix) als amtierender Deutscher Meister.  Es waren in diesem starken Feld alle Sieger und Platzierten der letzten Jahre und auch dieser Saison am Start, so dass packende und interessante Wettfahrten zu erwarten waren.

Die „Resi“ und die „Teamwork“ galten als Favoriten, waren sie doch bei jeder Regatta dieser Saison vorne platziert. Wir von der „Teamwork“ hatten endlich mal wieder die Stammcrew mit Hansi am Quirl Steuermann, Idol am Besan, Carsten am Groß, Walter an der Genua, Tüdel am Spi und Gutschi als Vorschiffmann an Bord.

Wir (Tüdel, Gutschi, Carsten und Idol) reisten am Freitag (16.06.2017) in Kiel an. Hansi hatte noch Verpflichtungen und sollte am Sonnabendmorgen wie auch Walter, der bekanntermaßen  die Teterower Hechtbürger noch mit seinen Backkünsten beglücken musste, nachreisen. Bei der Anreise bestaunten wir die tollen Baufortschritte von Bad Segeberg bis Kiel. Da wurde ja richtig was geschafft, das lässt hoffen, dass dieser Bauabschnitt bis 2037 fertiggestellt werden wird. Das ist wohl der Schleswig – Holsteinische IBB.

Wir trafen bei typischen Kieler-Woche Wetter ein und wurden mit Sturm und einer kräftigen Schütte begrüßt. Als diese vorüber war kranten wir und bauten bei sonnigen Wetter, das ab und zu von kleinen Nieselwolken überlagert wurde unseren Kutter auf. Die Windstärken gingen auf 8 Bft und sagten unsere geplante Fahrt nach Laboe ab. Die Weltis aus Schwerin mit Heiko dem Altgüstrower waren draußen und sagten uns, dass kein echtes Segeln möglich war, da es einfach zu stürmisch und unberechenbar war, und kaputtmachen sollte und wollte man sich ja auch nichts vor dieser wichtigen Regatta. Am nächsten Tag nach der großen Steuermannbesprechung und Anmeldung wurde um 14:30 Uhr bei Winden um 4 Bft in Böen stärker aus Richtung West die erste Wettfahrt gestartet.

1. Wettfahrt:  Start - 1a - 1b - 2 - 3 - 1a - 1b - 3 - 1a - 1b - 2 - 3 - Ziel. Das war die lange Bahn. Dauer ca. 35 bis 50 min für den Erst- bis Letztplatzierten. Die Kurse sind bekanntermaßen in Kiel etwas kurz, weil man sich aus den Sperrgebieten und dem Fahrwasser heraushalten muss. Außerdem ist das Revier Tricky, weil über den Berg und den Tirpitzhafen so mancher Dreher verarbeitet werden muss. Bei Starkwinden etwas weniger Tricky als bei Schwachwinden. Wir erwischten einen guten Start und lagen an Bahnmarke (BM) 1a in Führung, die wir bis zum Ziel auch behaupten sollten. Allerdings wäre da fast noch ein Malheur passiert. Im Tirpitzhafen finden Vorführungen mit aus dem Hubschreiber abgesetzten Kampfschwimmern statt. Der Hubi steht mit gewaltiger Rotorblattdrehzahl in der Luft, nein nicht der Hubert von der Resi (kann der das etwa auch?), nein der Marinehubschrauber. Er drückt also den Wind aufs Wasser, und verstärkt den ohnehin schon starken Wind. Steuern so gut wie unmöglich keine Fahrt im Kutter, Spi oben, es fehlte nicht viel und wir hätten hier gewassert. Leider gibt es davon wohl keine Bilder. Zum Glück bleibt der Worst case aus. Sieger „Teamwork“ , vor „Resi“. Dritter wurde „Weltenbummler“; 4. „Santa Fe“; 5. „Ösfass“ 6. „Cutty Sark“
Am Abend nehmen wir überraschend zur Kenntnis, dass die “Weltis” nachträglich aufgegeben haben. Warum wissen wir aber nicht, so das alle danach kommenden um einen Platz vorrutschen.

2. Wettfahrt: Start - 1a - 1b  - 2  - 3 - 1a - 1b  - 3 - 1a - 1b  - 2  - 3 - Ziel, wieder die Langbahn. Wind um die 4 Bft etwas abflauend. Richtung West. Wir kamen wieder recht gut weg. Profitieren von einem Zweikampf zwischen der „7“ und den „Weltis“ . An BM 1 führt die „Resi“ vor „Santa Fe“ und der „Teamwork.  So geht es auf das 2. Dreieck. Wir erwischen den besseren Streifen und können „Santa Fe“ hinter uns lassen. Die kommen bis BM 1 aber wieder auf, müssen aber noch eine Wende machen. Das verschafft uns Luft. Die „Resi zieht einsam ihre Kreise und vergrößert den Vorsprung. Es siegt die „Resi“ vor „Teamwork“ und „Santa Fe“. 4. „Ösfass“ 5. „Zuarin“. Die Weltis wurden auf Platz 14 abgedrängt.

3. Wettfahrt: Start - 1a - 1b  - 2  - 3 - 1a - 1b  - 3 - Ziel, dieses Mal die Kurzbahn, die uns nicht so liegt. Wind um die 3 - 4 Bft etwas abflauend. Richtung um West. Wir kommen wieder gut weg. Die „7“ führt, dahinter die „Weltis“, dann wir die Teamwork“, hinter uns auf Tuchfühlung die „Resi“. Die Abstände werden von den „Weltis“ und der „Resi“ auf di jeweils vor ihnen liegenden verkürzt. Shit. Die „Weltis“ führen an BM 3 kurz vor der „7“, wir liegen vor der „Resi“. Wir nehmen die BM nicht eng genug und „Resi“ schiebt sich so darein, dass wir nicht in Richtung Ziel umlegen können. Vor uns luven die „Weltis“ die „7“ am Ziel vorbei, gehen aber selbst durchs Ziel. Warum macht die das? Folgerichtig Protest, so das „7“ erster wird. Wir können erst umlegen als die „Resi“ umgelegt hat, haben dadurch die schwächere Luvposition. Hubert in lee aber in Überlappung. Wir legen es nicht auf einen Protest an, aber es war mehr als knapp zwischen uns und dem Zielschiff. So wird die „Resi“ 2.; Wir Dritter. 4. „Zuarin“, 5.“Cutty Sark“. Damit endet dieser Segeltag mit vielen Protestverhandlungen. „Resi“ führt nach dem ersten Wettfahrttag mit 5 Punkten, vor „Teamwork“ mit sechs Punkten, „Santa Fe“ 12 Punkte, „7“ 14 Punkte. Und einige weitere liegen mit geringen Punktabständen dahinter. Also alles ist offen für die noch folgenden zwei Wettfahrttage. Wir lassen den Abend bei  Grill und netten Gesprächen ausklingen. Man ist geschafft, berühmte polnische Abgänge folgen.

2. Wettfahrttag, der Wind hat doch erheblich nachgelassen ca. 2 bis 3 Bft und noch viel schlimmer, er dreht zwischen Südwest und Nordwest und das mitunter sehr heftig. Schwieriges Segeln war angesagt.

4. Wettfahrt: Start - 1a - 1b  - 2  - 3 - 1a - 1b  - 3 - Ziel, wieder die Kurzbahn. Wir haben große Mühe am Start, weil der Wind fast achterlich kommt, wie liegen etwas zu tief weil wir befürchten über die Linie gedrückt zu werden. Unter uns wendet die „Zuarin“, wir bekommen ihre Abwinde und zu allem Überfluss dreht der Wind auf Südwest. Viel Konkurrenten hungern sich so gerade über die Startlinie. Wir müssen über eine Halse abdrehen. Und starten hinter allen anderen mit, oh Shit. Wir schaffen es aber trotzdem über die nordwestliche Seite wieder an das Feld heranzufahren. Viele bleiben an der BM 1a im Knäul stehen. Das hilft uns und so schaffen wir es tatsächlich uns auf Platz 9 vorzufahren. Auch andere Mitfavoriten greifen in den Sand. Es gewinnt souverän „Zuarin“ vor den „Weltis“. Dritter wird „No.7“, Platz vier belegt „Endevaur“, 5. Wird die „Cutty Sark“. Platz 6 belegt Resi. Es wird wohl enger da vorne. Wir machen unverständlicher weise eine Mittagspause, obwohl bei frischeren Winden zu Mittag sicherlich noch eine Wettfahrt vor den Marinekuttern, die um 13:00 Uhr ihren Start nächsten Wettfahrt hatten, möglich schien. So segeln wir in den Hafen und machen eine Mittagspause bis schlapp 13:30 Uhr, dann wieder raus. Wind hat wie befürchtet weiter nachgelassen, weht jetzt um 2 Bft mit Strichen und Drehern.

5. Wettfahrt: Start - 1a - 1b  - 2  - 3 - 1a - 1b  - 3 - Ziel, wieder die Kurzbahn. Wir wählen die Leeseite, grausam!!! Allgemeiner Rückruf. Nächster Versuch, Alles drängelt sich an Startschiff. Wir entscheiden frei aus der Mitte zu starten. Aber was passiert da: der Wind dreht weiter auf Nordwest, satter Anlieger. Noch schlimmer, die in der Mitte bekommen diesen Streifen gar nicht. So dass alle darüber liegenden sowohl höher als auch schneller fahren. Wie heisst es doch so schön: Höher und schneller als alle anderen, dann kannst du was reißen. Viele Kutter schaffen es mit einem Anlieger vom Start zur 1a. Vorneweg wieder die „Zuarin“. Wir müssen bis zur BM 1a noch zwei Wenden fahren. Die „Zuarin“ und ihre Verfolger sind schon auf dem 2. raumen Schenkel als wir die 1b passieren. Tolle Wurst! Wir bleiben ruhig, wissen diese Wettfahrt ist gelaufen. Schieben uns trotz allem noch auf Platz 7 vor. „Zuarin“ jetzt schon mit zwei Tagessiegen, mit denen ist auch noch zu rechnen. 2. Wird „Ösfass“, 3. „Merlin 4.0“, 4. „Schwabenpfeil“ 5. „No. 7“, 6. „Resi“. Auch „Cutty Sark“ holt sich seinen Streicher, sie hatten davor eine, wenn sogar die gleichmäßigste Serie. Es gibt wohl neue Favoriten! Denn die bisher vorne liegenden schwächeln. Ja, leider wir auch.

6. Wettfahrt:  Start - 1a - 1b  - 2  - 3 - 1a - 1b  - 3 - 1a - 1b  - 2  - 3 - Ziel, Langbahn. Liegt uns besser. Dieses Mal wählen wir die Startschiffseite. Die beste Position haben die „Weltis“, wir liegen über ihnen, es biete sich keine Lücke, wir wenden weg weil wir neben dem Startschiff liegen und segeln wieder hinterher. AM BM 1a noch sechs Kutter hinter uns. An der BM 2 vor uns ein dickes Kutter Knäul, wir dahinter, es bietet sich die Lücke und wir haben Fahrt. Lassen 10 Konkurrenten hinter uns. Auf der 2. Kreuz kein großer Gewinn. Im Gegenteil die vor uns liegenden fahren südlicher besser, denn sie sind wieder ein Stück weggesegelt. Aber trotzdem sind wir auf Tuchfühlung. Nach der Achterlichen segeln wir rechts raus. Denn fast alle anderen ziehen nach links. Gerade als wir uns auch nach links verholen wollen, sehen wir auf einer dänischen Fregatte den Danebrog heftig im Wind flattern, ergo: weiter fahren, und da kräuselt sich auch schon das Wasser - den hat uns meine dänische Familie oder Rasmus geschickt, haben ihn ja auch nicht verdursten lassen oder: Nun ist uns endlich bewusst wozu diese grauen Pötte doch zu gebrauchen sind. Wind erreicht uns wir legen um und machen einen mächtigen Reihbach. Kassieren weitere drei Boote und sind wieder dran. Auf dem 1. Raumgang bleiben wir auf Tuchfühlung zum „Ösfass“ und der „Resi“. Laufen ein Stück auf. Es gelingt aber nicht zu überlappen. Nach der drei fahren die vor uns liegenden den kürzeren Weg zum Zielschiff. Wir gehen sofort nach der Bahnmarke rum, müssen den längeren Weg segeln, aber links scheint es frischer zu sein. Wir fahren bis an die Leebegrenzung der Ziellinie schießen auf und schaffen es tatsächlich vor dem „Ösfass noch auf Platz 5 zu fahren. Ein sehr entscheidender Platz, wie sich später herausstellen sollte. Vorne gab auch heftige Positionswechsel. Am Ende siegte ganz sicher die „Santa Fe“, zweiter werden wieder die „Weltenbummler“, 3. „No. 7“, 4. „Resi“ 5. „Teamwork“, 6. „Ösfass“.

Nach unserer Auffassung ist damit die DM beendet, denn in der Ausschreibung zur Kieler Woche standen sechs Wettfahrten. Wir rechnen und meinen hinter Hubert mit einem Punkt Vorsprung zweiter zu sein. Dritter müsste die „Zuarin“ punktgleich mit „No. 7“ sein. Wir freuen uns wollen der „Resicrew“ gratulieren, aber die winken ab, das Gerücht geht rum am Montag wird noch eine 7. Wettfahrt gesegelt, Damit sind dann zwei Streicher angesagt. Hhmm, ist das wirklich so? dann hätten wir uns zu früh gefreut. Wir hatten auch schon fast komplett abgetakelt. Dann zog Danny, der Steuermann von der „Hexe“ aus Leipzig los und kam mit der Nachricht zurück, morgen wird gesegelt. Wir studieren die Ausschreibung der Kieler Woche, sie ist eines dieser verbindlichen Dokumente einer Wettfahrtserie. Dort standen sechs Wettfahrten drin, Die Ausschreibung zur Deutschen Meisterschaft der Kutter sagte sieben aus. Zwischendurch hatte die Wettfahrtleitung keine Korrektur dieses offensichtlichen Widerspruchs ausgehängt. Wir stellten eine Anfrage an die Wettfahrtleitung mit dem Wunsch der Korrektur. Dieses machte im Basislager schnell die Runde. Über uns brach ein Shitstorm herein, wie ich ihn lange nicht erlebt habe, von Sachlichkeit keine Spur. Das raubt einem doch ein wenig die Freude am Kuttersegeln. Damit wird man dann auch emotional aufgeladen und so war eine Verständigung schwer möglich, sachlich offensichtlich auch nicht gewollt. Das Präsidium des DSSV entschied dann, es wird eine 7. Wettfahrt gesegelt. Ok, wenn es so sein soll, dann werden natürlich auch wir uns diesem Fakt stellen. So standen wir dann am Montag bereits um 05:30 Uhr auf, Kutter wieder aufbauen, denn um 08:30 Uhr sollte Start sein. War aber nichts, völlige Windstille. Antwortwimpel. Wir warten. Es wurde aber keine Ewigkeit. Kurz nach 09:00 Uhr wurden die 7. Wettfahrt abgebrochen. Damit war die o.g. Platzierung auch die Endplatzierung. Gratulation an die „Resicrew“. Sie waren unbestritten die Beherrscher der Kieler Förde. Wir konnten das Triple nicht erreichen, wäre zwar schön gewesen aber vielleicht auch zu viel des Guten. Wir sind nicht enttäuscht, eher zufrieden und glücklich!!! Wir freuen uns über die Silbermedaille. Verstohlen richten wir einen Blick nach oben und bedanken uns auch bei Dietmar unserem stillen Begleiter.

Abbauen, Kranen, verladen, Basislager, aufklaren, rumschwitzen, Freizeitzentrum, Kaffee, Eis, duschen, 1.Geige anlegen, Siegerehrung. Wie immer beeindruckend. Dankesworte der Segler, des Veranstalters usw. Am besten gefiel mir der Vertreter des Senats von Kiel, der der so in etwa sagte: Hier komme ich gerne her, hier ist das Segeln noch ursprünglich, kein Sponsoring, keine Profis, kein großes Geld, alles am unteren Level. Einfach toll!!!

Die Resicrew wird als Meister geehrt, von einem Kutter Geil! in diesem Umfeld sehen alle ab. Eigentlich schade - aber Thorsten Schliecker röhrt den Hubert wie ein brunftiger Hirsch über gefühlte 5 Minuten, um durch den ganzen Saal ein gewaltiges „Zisch“ folgen zu lassen. Ja, eine tolle Leistung der gesamten Resicrew. Die dritte Teterower  Besatzung um Steuermann Heiko Otte wird 13. Insgesamt sehr gute Platzierungen der Teterower Kuttercrews. Die damit ihre momentane Stärke eindrucksvoll unter Beweis stellten.

Wir bekommen als Zweite den Wanderpokal der Howaldtswerke Deutsche -  Werft AG AG, den Preis der Lürssen Kröger Werft Schleswig - Holstein und natürlich unsere Silbermedaillen, die uns Ronny Neukirch als Mitglied des Präsidiums des DSSV überreicht und sind stolz wie Bolle. Auch der „Jüngsten Pokal des DSSV“, den wir im vergangenen Jahr gestiftet hatten, wird übergeben. Nach dem Anklamer Seesportverein, die auch wieder eine Jugendcrew mit einem wortgewaltigen Taktiker namens Thorsten an Bord hatten, ist der neue Preisträger die Marinejugend Kieler Förde e.V. Die freuen sich mächtig und sind gleich uns, auch stolz wie Bolle. Wir auch, denn wir spüren, so etwas macht Sinn.

Ein tolles Ergebnis für die Teterower Kutter. Herzlichen Glückwunsch an alle teilnehmenden Aktiven!

Carsten Jansen

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