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Peter Anders/Peter Bark gewinnen Internationale Österreichische Staatsmeisterschaft

Weyregg am Attersee – In Deutschland, der Türkei, Tschechien, Ungarn, Polen und in Österreich ist die Piratenklasse aktiv vertreten und wird organisiert gesegelt. Mit Ausnahme von Österreich hat der Wassersport-Verein-Güstrow 1928 e. V. (WVG) in allen genannten Ländern die nationalen Meisterschaften bereits gewonnen. Jens Bauditz/Ulf Lorenz und Peter Anders/Peter Bark (alle WVG) machten sich in der vergangenen Woche auf, dies zu ändern.


Bild: Peter Anders (l.) und Peter Bark (r.) auf dem Attersee; Quelle: Max Leitner, Marlen Hotwagner, Stephan Binder

Schon in der letzten Saison war Jens Bauditz – damals mit Susanne Thiel (WVG) – nah dran und erreicht am Ende Platz 3. „Die Konkurrenz hier ist stark, weil auch viele deutsche Piratensegler teilnehmen“, weiß Jens Bauditz, der schon Meistertitel in Deutschland, der Türkei, Polen und Tschechien und auch die Europameisterschaft gewann. Favorisiert waren die Güstrower nicht, denn mit Svenja Thoroe/Karsten Bredt (Kiel/Hannover) nahmen nicht nur die Europameister von 2011 teil, sondern mit Thoroe auch die Titelverteidigerin. Hinzu kamen die ehemaligen Weltmeister und zweifachen Deutschen Meister Ines Pingel-Heldt und Thomas Heldt aus Teterow, die in diesem Jahr Deutsche Vizemeister wurden.

Peter Anders und Schwager Peter Bark nutzten den „Ausflug“ über knapp 900 Kilometer Fahrt nach Österreich zunächst für einen Familienurlaub, bevor es ernst werden sollte. „Die Orte am Attersee bieten eine Welt für die ganze Familie. Mit fast 47 km² ist der Attersee der größte See Österreichs. Der Attersee ist international vor allem auch als hervorragendes Segelrevier bekannt. Insbesondere der stete ‚Rosenwind‘ garantiert gute Segelbedingungen“, war Peter Anders, der 2016 die Internationale Ungarische Meisterschaft auf dem Balaton gewann, gut vorbereitet.

Dass der Attersee mit seinem markanten türkisblauen Wasser auch anders kann, war den Seglern bekannt. Bei den Österreichischen Klassenmeisterschaften der Kielzugvögel vier Tage zuvor gab es Sturm und Gewitter mit 130 km/h.

Insgesamt 21 Boote aus Deutschland, Österreich und Tschechien konnte der gastgebende Sportverein Weyregg Sektion Yachtsport (SVW-YS) begrüßen. Alleine acht Boote aus Deutschland waren der Ausschreibung gefolgt. Neben den genannten waren auch die mehrfachen österreichischen Meister Walter Schaschl (Österreich) und Josef Sivý (Tschechien) am Start. Auch Jochen Bredt mit Vorschotfrau Marika Maczutajtis (Münster) ist bereits mehrfacher Staatsmeister.

Nach vier Tagen Sightseeingurlaub begann die Meisterschaft mit der üblichen Vermessung. Einige Boote mussten diverse Ausrüstungsgegenstände nachrüsten, die vom Vermessungsteam als nicht regelkonform angesehen wurden. Die WVG-Crews hatten Anfang des Monats gerade die Deutsche Meisterschaft gesegelt und waren schon deshalb regelkonform.

„Weil am Attersee häufig nur morgens segelbare Windbedingungen vorhanden sind, muss man früh aufstehen, um segeln zu können“, erklärt Peter Bark. Und so präsentierte sich das Regattarevier fast wie erwartet am ersten Regattatag spiegelglatt: Kein Wind und brütende Sonne machten es den Seglern und der Wettfahrtleitung nicht leicht, an eine Wettfahrt zu glauben – und genau so kam es. Die Güstrower und Teterower nutzten die Zeit zum Baden.

Leider stimmte auch die Wettervorhersage für den zweiten Tag nicht positiv, wenn man segeln wollte. Immer wieder stellten sich die Segler die Frage: Schaffen wir noch eine Wettfahrt bzw. wird das überhaupt eine Staatsmeisterschaft? „Trotzdem kippte die Stimmung nicht. Kühle Getränke, Sonne und Badevergnügen sorgten dafür“, weiß Ulf Lorenz zu berichten.

Weil für den dritten und letzten Tag die Windvorhersage positiv war, setzte die Wettfahrtleitung den ersten Start auf 7:30 Uhr. Offenbar war es Absicht der Wettfahrtleitung, vier Wettfahrten zu segeln, um eine gültige Staatsmeisterschaft ins Ziel zu bringen.

Südwind bei 5 bis 10 Knoten bot gute Bedingungen. „Wir sind um 6:45 Uhr zum Regattarevier ausgelaufen, ohne Frühstück zu essen“, so Peter Anders, der hungrig an den Start ging. Pünktlich um 7:30 Uhr konnte gestartet werden und so hungrig wie die Güstrower Segler war niemand. Jens Bauditz/Ulf Lorenz gewannen vor Peter Anders/Peter Bark. Die Teterower Ines Pingel-Heldt/Thomas Heldt rundeten mit Platz drei das optimale Ergebnis aus Sicht des Landkreises ab. Svenja Thoroe/Karsten Bredt folgten auf Platz vier. Weil auch die Tschechen stark segelten folgte der beste Österreicher erst auf Platz acht.

In der zweiten Wettfahrt setzten die Österreicher nun das Ausrufezeichen: Matthias und Manuela Reiter gewannen, wobei sie von einem Missgeschick von Pingel-Heldt/Heldt profitierten, die eine Bahnmarke ausließen und disqualifiziert wurden. Wieder gut in Form präsentierten sich Anders/Bark (2.) und Bauditz/Lorenz (3.). Auch Thoroe/Bredt (4.) wollten noch um den Gesamtsieg mitreden.

Warum Pingel-Heldt/Heldt zum Favoritenkreis zählten, zeigten sie in der dritten Wettfahrt, die sie sogleich gewannen. Reiter/Reiter (2.) unterstrichen ihre Ambitionen auf den Gesamtsieg dabei ebenso wie Thoroe/Bredt (3.). Auch Anders/Bark (4.) waren wieder vorne dabei uns segelten sehr konstant. Nach zwei guten Wettfahrten ließen Bauditz/Lorenz (7.) leider nach.

Ab Mittag war stark abflauender Wind vorhergesagt, sodass die vierte wohl die letzte Wettfahrt sein würde. Auch wenn die Teterower Pingel-Heldt/Heldt nicht mehr Gesamtsieger werden konnten, segelten sie wie entfesselt wiederum zum zweiten Tagessieg. Anders/Bark hätte so ein 5. Platz zur Meisterschaft genügt, aber sie kamen direkt hinter Reiter/Reiter (Österreich) als Dritter ins Ziel vor Sivý/Sivá (Tschechien), die insgesamt eigentlich weiter vorne erwartet wurden. Throroe/Bredt (7.) sicherten sich den Bronzerang, den Bauditz/Lorenz (14.) verpassten und Gesamtfünfter wurden. Mit den Plätzen 5, 5, 6 und 6 wurden Tobolka/Gardavský (Tschechien) überraschend Gesamtvierter.


Bild: Zweikampf zwischen Anders/Bark (4382) und Pingel-Heldt/Heldt (4464); Quelle: Max Leitner, Marlen Hotwagner, Stephan Binder

„Wir haben erst an Land erfahren, dass wir Internationaler Österreichischer Staatsmeister sind, kurz bevor wir endlich frühstücken konnten. Natürlich haben wir ein bisschen vom Pech der Teterower profitiert, aber wir sind auch gut gesegelt und nun überglücklich“, strahlte Peter Anders, Steuermann des Meisterschiffes GER 4382, an Land. Fair gratulierten Ines Pingel-Heldt und Thomas Heldt den neuen Meistern Österreichs. „Man lernt im Segeln nie aus, egal wie alt man wird“, nahm Thomas Heldt das Missgeschick der ausgelassenen Bahnmarke mit Humor.

Mit dem Österreichischen Meistertitel der Piraten kann der WVG seine Sammlung in Europa nun komplettieren. „Eigentlich nicht ganz. Bis vor 10 Jahren gab es noch Piratenmeisterschaften in Dänemark. Vielleicht gibt es das mal wieder“, zeigt Vorschoter Peter Bark neue Ziele auf.

Obgleich die Güstrower in guter Form sind, werden die frischgebackenen Meister Anders/Bark beim Saisonhöhepunkt der Europameisterschaft vom 11. bis 15. September auf der Müritz fehlen. „Wir mussten unsere Meldung leider zurückziehen. Als Selbständiger steht das Hobby leider nicht an erster Stelle“, so Peter Anders, der auch Vorsitzender des WVG 1928 e. V. ist.

Stattdessen trainiert der ausgebildete Sportlehrer in dieser Woche den Laser- und Piratennachwuchs während der vom WVG veranstalteten Segelwoche auf dem Inselsee. „Es ist wichtig, dass ich meine Erfahrung weitergebe, damit der WVG auch in Zukunft noch Meistersegler hervorbringt“, freut sich Peter Anders, nachdem er 32 junge Segler begrüßen konnte.

Die Ergebnisse im Einzelnen:
1. Peter Anders/Peter Bark (WVG 1928 e. V.) 12 Pkt.
2. Matthias Reiter/Manuela Reiter (Österreich) 14 Pkt.
3. Svenja Thoroe/Karsten Bredt (Kiel/Hannover) 17 Pkt.
4. Michal Tobolka/Petr Gardavský (Tschechien) 22 Pkt.
5. Jens Bauditz/Ulf Lorenz (WVG 1928 e. V.) 24 Pkt.
6. Ines Pingel-Heldt/Thomas Heldt (Teterow) 27 Pkt.

Jörn-Christoph Jansen

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